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Abtreibungen in der Schweiz: Immer früher - immer schneller! 

(HLI, Zug) 141 Abtreibungen pro 1000 Geburten. Das ist eine der Erkenntnisse der vom Bundesamt für Statistik (BFS) am 18.06.2009 jährlich veröffentlichten Abtreibungszahlen der Schweiz. Das BFS vergleicht immer noch mit Statistiken aus den Jahren 2000-2003, welche von der Vereinigung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch erhoben wurden, teilweise auf Schätzungen beruhen und schon längst als zu hoch angesetzt entlarvt sind. Es klingt zynisch, wenn 141 Abtreibungen pro 1000 Geburten mit anderen Ländern verglichen und die Abtreibungsrate in der Schweiz als äusserst niedrig dargestellt wird. Die Forderung aus der Politik ist berechtigt, dass die Abtreibungen aus der Grundversicherung zu streichen sind.

10'848 Abtreibungen pro Jahr, gut 30 Abtreibungen pro Tag, alle 48 Minuten eine. So lautet das traurige Fazit für das Jahr 2008. Und wenn verschiedene Hilfswerke in der Schweiz nicht jährlich privat mindestens 5 Mio. Franken für Beratung und Direkthilfe aufbringen würden - nebst sehr hohem persönlichen Einsatz - wäre diese Zahl viel höher. Ausserdem „verändern“ sich beim BFS die veröffentlichten Gesamtzahlen der Abtreibungen: Gibt die Jahresstatistik der Abtreibungen für die Schweiz, veröffentlicht im Juli 2008 als Gesamtzahl fürs Jahr 2007 noch 10525 Abtreibungen an, wurde diese Zahl für dasselbe Jahr 2007 plötzlich auf 10645 „korrigiert“ (veröffentlicht im Juli 2009). Diese Veränderung wurde nirgends näher begründet. Das zeigt, wie ungenau die Abtreibungsstatistiken selbst des BFS sind.

Interessant ist die Tatsache, dass die Pille danach (nicht zu verwechseln mit der Abtreibungspille) genau zur gleichen Zeit zugelassen wurde, wie das revidierte Strafrecht (Fristen"lösung") in Kraft gesetzt wurde, nämlich im Herbst 2002. Die Verkaufszahlen dafür haben sich dramatisch erhöht, von rund 8'000 auf 93'500 im Jahr 2008. Rella hat nachgewiesen, dass mit der Pille danach in etwa 4-5% die Einnistung einer befruchteten Eizelle (Blastozyste) verunmöglicht wird. Allein auf Grund dieses Wirkungsmechanismus müsste bei vorsichtiger Berechnung mit 3'740 weiteren Frühabtreibungen gerechnet werden. Diese tauchen in keiner Statistik auf.

Der Anteil der Abtreibungen mit der Abtreibungspille Mifegyne steigt weiter. Mittlerweile werden 57% aller Abtreibungen chemisch durchgeführt. Was heisst das: Eine Frau hat gerade mal eine bis zwei Wochen Zeit, um sich in einem frühen Stadium der Schwangerschaft für eine Abtreibung zu entscheiden. Gynäkologen sagen, dass sie frühestens in der 5.- 6. Schwangerschaftswoche mittels Ultraschall einen lebenden Embryo nachweisen können, indem sein Herzschlag zu diesem Zeitpunkt sichtbar dargestellt werden kann. Dies gilt als sicheres Schwangerschaftszeichen. Konkret handelt es sich um den 35. Tag der Schwangerschaft. Bis zum 49. Tag "müsste" die Frau ihre Abtreibungspille gemäss Beipackzettel bereits geschluckt haben. Fragwürdigerweise wird heute oft von Gynäkologen bereits der Nachweis eines Fruchtbläschens (Chorion) als eine Schwangerschaft gedeutet und dann sozusagen "halbblind" Mifegyne angewendet. Im Ultraschall ist das Chorion üblicherweise am 30. Tag sichtbar. Oft wäre diese Behandlung sogar überflüssig, da sich nicht wenige Fehlgeburten "natürlicherweise" in diesem Zeitraum ereignen.

Der Druck zu einem raschen Entscheid erhöht sich also beständig. 69% aller Abtreibungen werden bis zur 8. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Abtreibende Aerzte sagen: Je früher, desto weniger Komplikationen. Aber sicher gilt auch oft, je früher abgetrieben wird, desto weniger Reflexionszeit bleibt übrig. Die Gefahr für eine überhastete Entscheidung gegen das Kind bei einem hohen Druck aus der Umgebung wird dadurch grösser.

Nationalrat Peter Föhn und 31 Mitunterzeichner fordern in einer am 10.06.2009 eingereichten Motion "Streichung des Schwangerschaftsabbruchs aus dem obligatorischen Leistungskatalog". Berechtigterweise aus ethischen und gesundheitsökonomischen Gründen, denn Untersuchungen zeigen eindeutig, dass mit einer Aufhebung des Versicherungsobligatoriums die Zahl der Abtreibung gesenkt werden kann.

Jede Abtreibung ist eine zuviel. Jede Abtreibung schlägt Wunden. Wir trauern um die ungezählten anonymen Kinder, welche uns für unsere Zukunft fehlen und welche nie einen Namen bekommen haben. Wir finden das jährliche Ritual um die Abtreibungsstatistik und die damit verbundene Reduktion auf Zahlen unerträglich. Dabei sollte uns interessieren, welche Nöte und Motive denn so viele Frauen zu einer Abtreibung bewegen. Nicht nur die abgetriebenen Kinder, auch die betroffenen Frauen sind Opfer, denn sie leiden oft physich und psychisch unter den Folgen der Abtreibung.

Quelle/Links:

Abtreibungszahlen, Bundesamt für Statistik (BFS)

Walter Rella, Neue Erkenntnisse über die Wirkungsweise der „Pille danach“. Imago Hominis (2008); 15(2): 121-129

 

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